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Wer Träumt wen?
neugierig auf den Bezugspunkt zum ausführen der Absicht von Malerei
Der Lehrer ist in meinem Traum. Die alten Maler sind in meinem Traum. Ihr Lachen ist in meinem Traum. Träumt es mich oder träume ich sie? Oder anders gefragt: Träume ich die Bilder oder träumen die Bilder mich? Man kann die Frage auch so stellen: Was ist es, das träumt?
So etwa fragte sich Dschuang Tse, in seinem berühmten Schmettlerlingstraum: "Dschuang Tse träumte einst, er sei ein Schmetterling, ein Schmetterling der fröhlich umherflatterte und nichts wußte von Dschuang Tse. Dschuang Tse wachte auf und fragte sich: Bin ich Dschuang Tse, und träumte, ich sei ein Schmetterling? Oder bin ich ein Schmetterling, und träume, ich sei Dschuang Tse?"
Vielleicht möchte man diesen Traum als eine Metapher auffassen, und ihn ausdeuten als ein bildhaftes Gleichnis für die Idee vom Fliegen, für die Idee von Freiheit. Man kann den Traum auf verschiedene Art lesen. Im Kern dieser Überlieferung steht jedoch die brennende Frage des Dschuang Tse nach der Gewissheit seiner eignen Existenz. Im Zentrum steht seine Frage:
Wer bin ich?
Was bin ich in Wirklichkeit?
Man muss es geträumt haben, um diese Frage so stellen zu können! Schmetterling oder Dschuang Tse - das ist einfach besehen,
ein Unterschied zwischen Tag und Nacht, zwischen wachen und schlafen. Etwas näher betrachtet erfahren wir nur,
dass Dschuang Tse aufwacht. Wir wissen nicht, wo er aufwacht. Was ist, wenn er aufwachte in einem Traum? Dschuang Tse wacht auf,
und träumt weiter. Nein, das ist keine Denkübung. Das sagte schon Dschuang Tse.
Dies ist keine philosophische Betrachtung. Träumen ist eine praktische Angelegenheit.
Dschuang Tse verwirklichte seinen Traum. Er kann fliegen.
Rede von Michael Schwill zur Ausstellungseröffnung "Wer träumt wen”, Ausstellung Malerei von Michael Schwill
in der Galerie Sybille Nütt, Dresden. Im Kabinett sind Scherenschnitte von Christiane Latendorf ausgestellt.
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